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Licab (Lithiumcarbonat 300 mg, Sofortfreisetzung) ist der Goldstandard-Stimmungsstabilisator bei bipolarer Störung. Der einzige Stimmungsstabilisator mit reproduzierbarer Evidenz zur Senkung der Suizidrate. Enges therapeutisches Fenster — obligatorisches Serumspiegel-Monitoring.
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Was Licab ist und wie es wirkt
Licab ist eine Lithiumcarbonat-Tablette mit Sofortfreisetzung, geliefert von Intas. Verfügbare Stärken: 300 mg. Lithium ist ein einwertiges Kation, das seit über 70 Jahren (Cade, 1949) bei bipolarer Störung eingesetzt wird. Sein Wirkmechanismus ist multimodal: Hemmung der Inositolmonophosphatase (IMPase), Hemmung von GSK-3β, Modulation der Glutamat-Übertragung und Effekte auf circadiane Clock-Gene. Die klinische Übersetzung: Prophylaxe gegen sowohl manische als auch depressive Episoden, Antidepressiva-Augmentation und eine reproduzierbare Reduktion der Suizidrate (~60% in Langzeitstudien).
Therapeutischer Bereich: 0,6–1,2 mÄq/L für die Erhaltungstherapie (akute Manie bis 1,2). Toxizität beginnt ab 1,5 mÄq/L; schwere Toxizität (Verwirrtheit, Krampfanfälle, Nierenversagen, Tod) ab 2,0+ mÄq/L. Spiegelkontrolle: 12 Stunden nach Einnahme im Trog. Zeitplan: 5–7 Tage nach jeder Dosisänderung, dann halbjährlich bei stabilen Werten. Plus Baseline und halbjährlich TSH, Kreatinin/eGFR, Kalzium.
Indikationen und Dosierung
| Indikation | Startdosis | Zieldosis | Zielspiegel |
|---|---|---|---|
| Manische Episode bei bipolarer Störung (akut) | 600–900 mg/Tag in geteilten Dosen | 900–1800 mg/Tag | 0,8–1,2 mEq/L |
| Erhaltungstherapie bei bipolarer Störung | — | 600–1200 mg/Tag | 0,6–1,0 mEq/L |
| Depressive Episode bei bipolarer Störung / Unipolare Augmentation | — | 600–900 mg/Tag | 0,4–0,8 mEq/l |
| Ältere Erwachsene / Niereninsuffizienz | 150–300 mg/Tag | nach Spiegel | 0,4–0,8 mEq/l |
XR-Formulierungen werden einmal oder zweimal täglich dosiert (gleichmäßigerer Spiegelverlauf, geringere Spitzennebenwirkungen). IR-Formulierungen werden typischerweise BID-TID dosiert.
Wichtige Sicherheitshinweise
Nach 10–20 Jahren Lithiumtherapie entwickeln etwa 20 % der Patienten eine chronische interstitielle Nephritis mit fortschreitendem eGFR-Abfall. Obligatorische Kreatinin-/eGFR-Bestimmung zu Beginn, nach 3 Monaten, 6 Monaten und dann halbjährlich. Absetzen oder Dosisreduktion, wenn die eGFR unter 60 fällt mit ansonsten ungeklärter Progression.
Lithium reichert sich in der Schilddrüse an und hemmt die Hormonfreisetzung. Hypothyreose entwickelt sich bei 20–30 % der Langzeitanwender; obligatorische TSH-Bestimmung zu Beginn, nach 3 Monaten, 6 Monaten und dann halbjährlich. Bei Symptomen Levothyroxin hinzufügen – meist kein Absetzen von Lithium erforderlich.
Lithium kann einen milden Hyperparathyreoidismus mit Hyperkalzämie verursachen. Kalzium zu Beginn und halbjährlich kontrollieren.
Die meisten Lithiumtoxizitäten in der Klinik entstehen bei Patienten mit stabiler Dosis, deren Lithium-Clearance sank aufgrund von: (1) Dehydratation (Durchfall und Erbrechen, Fieber, heißes Wetter, intensive körperliche Betätigung ohne Flüssigkeitsersatz); (2) Beginn einer NSAID-Therapie; (3) Beginn eines ACE-Hemmers oder ARB; (4) Beginn eines Thiazid-Diuretikums; (5) plötzliche natriumarme Ernährung. Patienten explizit zu jedem Punkt beraten. Lithium für 24–48 h bei Durchfall und Erbrechen pausieren und Spiegel nach Abklingen kontrollieren.
Lithium wurde historisch mit Herzfehlbildungen (insbesondere Ebstein-Anomalie der Trikuspidalklappe) bei Exposition im ersten Trimester in Verbindung gebracht. Moderne Studien deuten darauf hin, dass das absolute Risiko gering, aber real ist (ca. 1,2–7 %). Idealerweise sollte vor einer Schwangerschaft umgestellt werden; falls nicht, sollte eine fetale Echokardiographie in der 20. Woche durchgeführt werden. Lithium in der späten Schwangerschaft und postpartal ist generell sicherer als im ersten Trimester. Lithium geht in signifikanten Mengen in die Muttermilch über – wird daher meist beim Stillen vermieden.
Häufige Nebenwirkungen
- Tremor — feiner Haltetremor bei den meisten Anwendern; grober Tremor bei hohen Spiegeln (Toxizitätszeichen).
- Polyurie, Polydipsie — nephrogener Diabetes insipidus, in den meisten Fällen partiell.
- Gewichtszunahme — typischerweise 4–7 kg über 12 Monate.
- GI-Beschwerden — Übelkeit, Durchfall, oft dosisabhängig (durch XR-Formulierung reduziert).
- Hypothyreose — häufig; Behandlung mit Levothyroxin.
- Nierenfunktionsverschlechterung — kumulativ; Überwachung erforderlich.
- Kognitive Verlangsamung — einige Patienten beschreiben ein “langsames Gefühl” – oft dosisabhängig.
- Akne, Psoriasis — Exazerbationen beschrieben.
Arzneimittelwechselwirkungen
- NSAR — Reduzieren die renale Lithium-Clearance; können die Spiegel um 30–50% erhöhen; vermeiden oder Spiegel häufig kontrollieren.
- ACE-Hemmer / ARBs — Reduzieren die Clearance; gleiche Vorbehalte.
- Thiazid-Diuretika — Reduzieren die Clearance; Spiegel steigt vorhersehbar.
- Schleifendiuretika — Variabler Effekt.
- SSRIs — Additiver serotonerger Effekt; meist kompatibel.
- Antipsychotika — additives Risiko für NMS (selten).
Schwangerschaft, Stillzeit, Pädiatrie
Schwangerschaft: geringes, aber reales teratogenes Risiko im ersten Trimester (Ebstein-Anomalie); Wechsel vor einer geplanten Schwangerschaft, wenn möglich. Späte Schwangerschaft: Dosisanpassungen aufgrund des erhöhten Verteilungsvolumens erforderlich. Stillzeit: Lithium reichert sich in der Muttermilch an; wird meist vermieden. Kinder: ab 12 Jahren in vielen Ländern zugelassen; fachärztliche Überwachung.
Lagerung
Bei 15–30 °C in der Originalverpackung lagern.
Häufig gestellte Fragen
Warum benötigt Lithium eine Blutspiegelkontrolle?
Lithium hat ein enges therapeutisches Fenster (0,6–1,2 mEq/L) — toxisch ab 1,5 und schwer toxisch ab 2,0+. Geringe Dosisänderungen, Flüssigkeitsverschiebungen oder Wechselwirkungen können die Spiegel in den toxischen Bereich bringen. Die Kontrolle macht Lithium sicher. Das Auslassen von Kontrollen ist nicht sicher.
Warum reduziert Lithium die Suizidrate?
Lithium ist das einzige psychiatrische Medikament mit reproduzierbaren Langzeitnachweisen für eine Reduktion der Suizidrate (ca. 60 % Reduktion in gepoolten Studien). Der Mechanismus ist unklar — wahrscheinlich eine Kombination aus besserer Stimmungsstabilisierung, reduzierter Impulsivität und direkten Effekten auf serotonerge und zirkadiane Systeme. Der Effekt scheint lithiumspezifisch und ist bei anderen Stimmungsstabilisierern nicht zu beobachten.
Wie äußert sich eine Lithiumtoxizität?
Früh: grober Tremor (unterschiedlich zum feinen Tremor unter normaler Therapie), gastrointestinale Beschwerden, Ataxie, verwaschene Sprache, Verwirrtheit. Spät: Krampfanfälle, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen, Koma. Bei diesen Symptomen immer Notfallvorstellung zur Spiegel- und Elektrolytkontrolle. Häufige Auslöser: Durchfall & Erbrechen, Dehydrierung, neue NSAID/ACE-Hemmer/Thiazide.
Warum verursacht Lithium Polyurie?
Lithium induziert eine partielle nephrogene Diabetes insipidus durch Störung der Vasopressin-Signalgebung im Sammelrohr der Niere. Die meisten Patienten haben eine Polyurie von 2–4 L/Tag; schwere Polyurie (> 5 L) spricht für Dosisreduktion oder Wechsel. Langfristig kann die Polyurie irreversibel werden.
Wie lange dauert es, bis Lithium wirkt?
Akute Manie: Ansprechen innerhalb von 1–2 Wochen. Prophylaktische Wirkung entfaltet sich über 6–12 Monate — der antisuizidale Effekt zeigt sich nach etwa 6–12 Monaten stabiler Therapie. Patienten, die Lithium absetzen und wieder einnehmen, sprechen oft beim zweiten Mal weniger an (mögliche Kindling-Effekte).
Kann ich Alkohol trinken, wenn ich Lithium nehme?
Leichter Alkoholkonsum wird meist toleriert. Starker oder Rauschtrinken ist ein großes Risiko, da es zu Dehydrierung und reduzierter Lithiumclearance führt — Toxizität ist die vorhersehbare Folge. Viele Lithiumpatienten beschränken Alkohol auf gelegentliche, moderate Mengen.
Warum zittert meine Hand unter Lithium?
Feinmotorischer Tremor ist dosisabhängig und bei den meisten Anwendern vorhanden. Er ist in der Regel mild und verschlechtert sich durch Koffein und Stress. Grobschlägiger Tremor oder sich verschlimmernder Tremor sind Anzeichen einer Toxizität – lassen Sie den Spiegel überprüfen.
Kann Lithium abrupt abgesetzt werden?
Im Allgemeinen nicht – reduzieren Sie die Dosis über 2–4 Wochen, wenn möglich. Ein plötzliches Absetzen führt zu einem deutlichen Anstieg des Rückfall- und Suizidrisikos bei bipolarer Störung; dies ist eines der stärksten Signale in der psychiatrischen Pharmakologie. Selbst Patienten, die seit Jahren stabil sind, sollten Lithium nicht impulsiv absetzen.
Warum sollte meine Schilddrüse überwacht werden?
Lithium reichert sich in der Schilddrüse an und hemmt die Hormonfreisetzung. Etwa 20–30 % der Langzeitanwender entwickeln eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Lösung ist einfach (Levothyroxin hinzufügen) – aber sie muss erkannt werden, bevor Symptome auftreten, daher die routinemäßige Überwachung.
Führt Lithium zu Gewichtszunahme?
Ja – typischerweise 4–7 kg über 12 Monate. Weniger als Olanzapin, mehr als Aripiprazol. Ernährung/Bewegung von Beginn an hilft.
Andere Psychopharmaka
- Torvate (Natriumvalproat – alternatives Stimmungsstabilisierungsmittel)
- Qutan SR 400 (Quetiapin – Erhaltungstherapie bei bipolarer Störung)
- Olanzap (Olanzapin – bipolare Manie)
- Aripicon (Aripiprazol – bipolare Manie)
- Atlura (Lurasidon – bipolare Depression)



























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